Interview mit Hans Bischof, Leiter Entwicklung, zu bocad 2026:
November 2025
“An welchem Punkt der Entwicklung man das Aha-Erlebnis hat, ist am Anfang nicht hundertprozentig klar.”
Von den wissenschaftlichen Anfängen an der Ruhr-Universität Bochum in den 1980er Jahren bis zur heutigen Entwicklung unter SCHULLER&Company steht bocad seit über 40 Jahren für Effizienz und Innovation im konstruktiven Ingenieurbau. Was einst als Forschungsprojekt zur Optimierung des Stahlbaus begann, hat sich zu einer modernen BIM-Plattform entwickelt, die Planung, Fertigung und Dokumentation in Echtzeit verbindet. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die vollständige Durchgängigkeit zwischen Zeichnung und Modell, denn beide sind identisch und damit immer aktuell. Die bocad DNA steht für technologische Exzellenz, Kundennähe und internationale Zusammenarbeit.
Frage 1: bocad 2026 bringt so viele Neuerungen wie keine Version zuvor und markiert eine neue Ära. Wie gelingt einem Team, das zum Teil seit über 30 Jahren zusammenarbeitet, ein solcher Innovationssprung in nur drei Jahren?
„Der Wechsel zu SCHULLER&Company war tatsächlich eine spannende Phase. Viele von uns sind seit Jahrzehnten Teil des Teams, wir haben eine enorme Erfahrung, die uns trägt. Gleichzeitig hat SCHULLER&Company frische Energie in die Entwicklung gebracht: neue Perspektiven, neue Prioritäten und vor allem den Mut, Dinge anders zu denken. Fahrt konnten wir durch die Erweiterung des Teams aufnehmen, mit jungen Entwicklern, auf internationaler Ebene und mit Experten aus anderen Softwarebereichen wie Apps und Games. Damit haben wir Usability, Interaktion und Benutzererlebnis sowie Kollaboration auf ein neues Niveau gehoben. Das verändert, wie wir Software denken, sie muss intuitiv und ansprechend funktionieren. Gleichzeitig haben wir den Austausch mit unseren Anwendern intensiviert, um Lösungen für die tägliche Arbeit zu geben.“
Frage 2: Wann war klar, dass die Version 2026 ein Meilenstein ist?
“Die Veränderungen haben sich Schritt für Schritt ergeben. Zunächst hatten wir 2023 die Smart Serie für eine moderne Usability gestartet. SmartInfo ist die schnellste Datenbankabfrage und visualisiert direkt Informationen zum Modell, SmartNavi optimiert die Navigation durch die Modellstruktur.
Der nächste Baustein ist jetzt SmartDraw. Dies ist ein großer Meilenstein, denn man kann jederzeit am Zeichnungsstatus sehen, welche Zeichnung sich geändert hat. Bei komplexen Projekten mit 1.000 Zeichnungen verliert man schnell den Überblick. SmartDraw gibt eine höhere Sicherheit, Fehler frühzeitig auszugleichen. Korrekte Fertigungszeichnungen sind die Grundlage für eine effiziente Baustelle. Denn beispielsweise bei einem Stahlträger, der mit einem LKW auf die Baustelle gebracht und mit einem Kran hochgezogen, oben eingehängt und verbunden wird, müssen die Schrauben perfekt passen. Sonst wird es teuer. SmartDraw trägt dazu bei, dass der Konstrukteur den Überblick über eine große Anzahl an Zeichnungen behält und Änderungen überall gleichermaßen umgesetzt werden.
An welchem Punkt der Entwicklung man das Aha-Erlebnis hat, ist am Anfang nicht hundertprozentig klar.”
Frage 3: Wie wird die Zukunftsfähigkeit von bocad sichergestellt?
„Indem wir nicht nur neue Features entwickeln, sondern die Arbeitsweise insgesamt durch Digitalisierung effizienter gestalten. Wir haben jetzt eine starke Vernetzung zwischen dem Support und der Entwicklung, so dass wir jeden Tag hören, was die Kunden für Probleme haben. So fließen reale Anforderungen unmittelbar in die Entwicklung ein. Wir haben vielen Rückmeldungen zum Datenaustausch zwischen verschiedenen Softwarehäusern. Die Kunden erwarten, dass das funktioniert. Je größer der Betrieb, umso größer sind die BIM-Anforderungen. Der Bauherr will eine komplett dreidimensionale digitale Welt. Wenn eine Firma den Stahlbau macht, die nächste die Elektrotechnik und die dritte die Lüftung, dann darf der Bauherr am Ende nicht feststellen müssen, dass der Lüftungsschacht durch den Stahlträger verläuft.
Es gibt jedoch nicht den einen Anwender, sondern eine große Bandbreite an Usern, die unterschiedliche Vorlieben haben. Schließlich müssen wir uns international auf die verschiedenen Länder einstellen. Die bocad Gesamtversion enthält Lokalisierungen für das jeweilige Land.
Daher entwickeln wir bocad auf unterschiedlichen Ebenen. Mit OneProject, schaffen wir jetzt eine Basis für vernetztes Arbeiten, mit Clone bieten wir intelligente Automatisierung für größere Fehlerfreiheit und mit bocad Hybrid erleichtern wir nachhaltige Bauweisen. SCHULLER&Company geht hier bewusst neue Wege, dies technisch und organisatorisch. Wir wollen nicht nur Software liefern, sondern echte Prozessinnovation ermöglichen.“
